Was ist und wie funktioniert Fotosharing im Internet?

Chancen und Grenzen von Photo-Communities

Foto-Communities im Internet sind eine tolle Möglichkeit interessante Fotos zu entdecken, Hinweise, Tipps, Ermunterung und Kritik zu bekommen und neue Freunde zu finden, die sich für Amateur-Fotografie interessieren.

Wie facebook, twitter, Blogs und andere soziale Netzwerke sind auch Foto-Communities sogenannte Web 2.0-Applikationen, d.h. Webseiten, die es den BenutzerInnen erlauben, ihre eigenen Inhalte - in diesem Fall vor allem Fotos, Videos und Kommentare dazu - ins Internet zu stellen ohne aufwändig eine eigene Domain (Internet-Adresse) registrieren und die Bedienung spezieller Software lernen zu müssen. Mit ein paar Mausklicks lassen sich Fotos und Videos bequem vom eigenen PC hochladen, mit einer Beschreibung versehen, in thematischen Gruppen platzieren und so mit anderen Leuten teilen, die ähnliche Interessen haben.

Im Gegensatz zu facebook, wo - zumindest im deutschen Sprachraum - für Anna Normalverbraucherin die Pflege des eigenen Bekannten- und Verwandtenkreises aus dem "realen" Leben im Vordergrund steht, treten BenutzerInnen in Foto-Communities oft unter Pseudonymen auf und schliessen über bestimmte Vorlieben (z.B. Architektur- oder Landschaftsfotos, Makro-Fotos, Schwarz-Weiss-Fotografie, technische Spezialitäten wie HDR-Fotografie usw.) "virtuelle" Freundschaften mit Menschen aus anderen Ländern und Kontinenten. Unter tausenden von Gruppen findet jedeR Hobby-FotografIn sicher einige passende.

Das Problem der "unangemessenen" Fotos

Ein gewisses Problem des Web 2.0 - Konzepts, das gerade bei Fotos und Videos besonders ins Gewicht fällt sind unterschiedliche gesellschaftliche und rechtliche Regelungen.
1) Welches nationale Recht ist anwendbar (dasjenige am Standort des Plattform-Betreibers oder dasjenige am Wohnort der BenutzerIn)?
2) Wer ist verantwortlich für Verstösse gegen das Recht (Plattform-Betreiber oder BenutzerIn)?

Alle Plattform-Betreiber versuchen sich mit länglichen, aber nichtsdestotrotz ziemlich schwammigen juristischen Formulierungen in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (englisch TOS = Terms of Service) gegen alle möglichen Rechtsansprüche abzusichern. Problematisch ist dabei vor allem der durch kulturelle und gesetzliche Unterschiede bedingte massive Unterschied in der Beurteilung, ob ein Foto bzw. Video akzeptabel ist oder nicht.

Man muss dabei nicht einmal die Unterschiede zwischen dem so genannten Westen und der arabischen Welt bemühen, sondern kann gerade am Beispiel von Foto-Sharing-Diensten lernen, wie unerwartet unterschiedlich Westeuropäer und Nordamerikaner mit Themen wie Nacktheit, Gewalt und Rassismus umgehen.

Während in Westeuropa ein gewisses Mass an Nacktheit, insbesondere wenn mit einem künstlerischen Anspruch verbunden, absolut tolerierbar erscheint und wir uns gewohnt sind, täglich an Darstellungen nackter Menschen in Parks, an öffentlichen Gebäuden und in Museen vorbei zu gehen, ja sogar Schulkinder im Kunstunterricht gezielt mit solchen Kunstwerken "konfrontiert" werden, ist so etwas in der Öffentlichkeit für die Amerikaner ein absolutes Tabu. Sie toben sich dann umso mehr in angeblich "geschlossenen" Gruppen aus, wo Minderjährigen der Zugang verwehrt ist. Dass die Zugangskontrolle zu solchen Gruppen jeglicher Seriosität entbehrt, stört die Amerikaner dann allerdings überhaupt nicht.

Umgekehrt halten die Angelsachsen die Meinungsfreiheit fast absolut hoch (solange nicht Geheimnisse der US-Verwaltung oder gar des Militärs ausgeplaudert werden ...), während in einigen europäischen Ländern die Veröffentlichung von Nazi-Symbolen oder rassistischen Bildern strafrechtlich verfolgt wird.

Unter Umständen können die unterschiedlichen Auffassungen zur Angemessenheit von bestimmten Inhalten dazu führen, dass (aus westeuropäischer Sicht harmlose) Accounts (Benutzerkonten) vom nordamerikanischen Betreiber der Webseite ohne Angaben von Gründen gelöscht werden oder ganze Benutzergruppen nur begrenzter Zugriff auf die Inhalte gewährt wird (so z.B. bei flickr für Benutzer aus Südkorea, Saudiarabien und Deutschland - weshalb Schweizer und Österreicher davon nicht betroffen sind, bleibt rätselhaft).


Änderung der Konditionen

Das Einführen der Zugriffseinschränkung für deutsche Benutzer von flickr ist nur ein Beispiel dafür, dass die Nutzungsbestimmungen von einem Tag auf den anderen ohne Einverständnis der BenutzerInnen verändert werden können und dadurch das «Community-Erlebnis» nachhaltig getrübt werden kann. Bei flickr fand nach der Einführung der Zugriffeinschränkung ein durchaus spürbarer Exodus von deutschen Mitglieder statt, in manchen deutschsprachigen Gruppen läuft seither nichts mehr.

Auch rein kommerzielle Veränderungen können eine Community drastisch verändern. So war bei ipernity bis Juni 2014 die Anzahl der ohne (kostenpflichtige) club-Mitgliedschaft pro Mitglied sichtbaren Fotos unbegrenzt, seither gilt eine Obergrenze von 200 Fotos. Wer bis dahin wesentlich mehr Fotos hochgeladen hat, steht nun plötzlich vor der Wahl, für eine club-Mitgliedschaft, deren Nutzen (angesichts der anderen Option) ungewiss ist, einen Jahresbeitrag zu entrichten - oder sich de facto auf 200 Bilder zurückzuziehen. Letzteres ist im August 2014 bereits bei vielen Mitgliedern zu beobachten und senkt die Attraktivität der Community weiter, nachdem in den letzten Jahren die Mitgliederzahl und deren Aktivität ohnehin schon hinter flickr zurückblieben.

Die bekanntesten Anbieter von Fotosharing-Services

Die wichtigsten Photo-Sharing-Services im Internet sind:


Beispiel einer Gruppenseite mit Fotos und Diskussionen


(Screenshot)


Online Photo Services sind kein guter Ort für Sicherheitskopien von Fotos!

Obwohl die meisten Fotosharing-Anbieter ihren Dienst auch als Speicherplatz im Internet vermarkten, ist dies eine sehr schlechte Idee aus Sicht des Kunden. Wer ein einziges "verbotenes" Photo hochlädt (was wie gesagt ein höchst schwammiger Begriff ist), riskiert, dass gleich das ganze Benutzerkonto ohne Warnung gesperrt und gelöscht wird. Man investiert also viel besser 50 Euro in eine externe Festplatte statt in einen Jahresbeitrag für ein unbegrenztes Konto bei einem Fotosharing-Dienst und bekommt dafür einen wesentlich sichereren Speicherplatz.