Warum ist facebook so attraktiv für Unternehmen?

Sehr viele Firmen verweisen heute bei Werbekampagnen nicht mehr auf ihre eigene Webseite (die sie nach wie vor betreiben), sondern auf ihren facebook-Auftritt. Oft geht es dabei um Kampagnen, bei denen eine Reaktion des Publikums eingeholt werden soll. Dort wo die Firmen Einwegkommunikation betreiben, wird diese häufig immer noch über die klassische Webseite abgewickelt. Dabei haben viele Firmen früher auf ihren eigenen Webseiten Kommentare ermöglicht und sogenannte Foren betrieben, auf denen Benutzer Fragen anderer Benutzer beantworten konnten. Weshalb hat sich ein grosser Teil der interaktiven Firmen-Aktivitäten in den letzten Jahren auf facebook verlagert?

Fakt ist, dass es mit Kommentaren und Foren schon immer viele Probleme gegeben hat. Dort, wo man sich völlig anonym äussern konnte und niemand die Einträge kontrolliert hat, wurden von einzelnen Benutzern unzählige beleidigende und anstössige Kommentare eingestellt. Das kann natürlich nicht im Interesse der Betreiber einer Webseite sein, denn eine Webseite ist immer auch eine Visitenkarte eines Unternehmens. Früh schon wurde deshalb die Technik der Kommentarfunktion mit Identifikation und Moderation eingeführt. Dazu müssen sich Benutzer bei der Seite mit einem Passwort anmelden und ihre Kommentare erscheinen erst, wenn ein von der Firma angestellter Moderator sie freigeschaltet hat. Abgesehen vom Personalaufwand für die Moderation hemmt die moderierte Form der Kommentarfunktion auch den Kommunikationsfluss und das macht offensichtlich für die Benutzer weniger Spass.

Ich vermute, dass die Internet-Verantwortlichen vieler Firmen sich gedacht haben, mit einem facebook-Auftritt könnte man den (werbetechnischen) Nutzen von Foren bekommen ohne sich aufwändig mit den Nachteilen und Risiken befassen zu müssen. Schliesslich basiert facebook auf Benutzerprofilen mit echten Namen und Profilfotos, die eine eindeutig Identifikation der Benutzer erlauben (Ausnahmen bestätigen die Regel). Dies setzt schon mal eine hohe Hemmschwelle für unflätige Äusserungen. Sollte man wenigstens meinen.

Meine Gedanken zum Thema hatte ich noch nicht einmal eingetippt, da las ich in der Pendlerzeitung 20 Minuten vom "Extrem-Cybermobbing mit «Ice Tea»-Video (5.12.2012). Dabei geht es um ein Sex-video mit dem ein Jugendlicher seine Ex-Freundin blossstellt. In dem Video wurde auch eine Ice-Tea-Flasche von Migros gezeigt, und so wurde die facebook-Seite von Migros Ice-Tea schon bald mit hämischen Kommentaren überflutet. Der Fall zeigt, dass man als Firma also offenbar doch nicht so einfach die Verantwortung für die Kommunikation im Web 2.0 an facebook delegieren kann ...